Minimalistische Ernährung
Dein Darm braucht keine Smoothie-Bowls - er braucht Ruhe und Verlässlichkeit
Wir tun immer so, als wäre unser Darm ein Instagram-Account: täglich neue Farben, ständig exotischer, immer spektakulärer. Açai heute, Drachenfrucht morgen, übermorgen Chia-Pudding mit Spirulina.
Klingt nach Vielfalt – für dein Mikrobiom ist es eher wie eine ununterbrochene Techno-Party im Wohnzimmer.

Unsere Vorfahren haben das gegessen, was die Natur bereit gestellt hat. Fleisch und tierische Produkte, Obst, Getreide- und Gemüsepflanzen. Klingt heutzutage unvorstellbar, doch diese paar Nahrungsmittel enthalten alles was der menschliche Körper braucht um zu wachsen und gesund zu bleiben. Das Wichtige daran: Sie haben sich ausschliesslich regional ernährt, denn die Ever Given gab es damals noch nicht. Also war sichergestellt, dass die Amerikaner das essen was bei ihnen wächst, ebenso die Japaner, die Eskimos und die Europäer.
Klar, klingt mega langweilig, aber die Wahrheit ist: Dein Darm steht auf Langeweile. Und zwar die gute Langeweile. Er mag es, wenn er weiß, womit er es zu tun hat. Wenn er nicht raten muss, was da gerade reingekippt wird – ob’s nun Mango aus Peru, Proteinpulver aus Kalifornien oder Süßstoff aus dem Labor ist.
Minimalistisch essen heißt, die Überforderung zu stoppen. Statt ständig 15 Zutaten in einen Mixer zu werfen, bau dir eine stabile Basis. Nimm Karotten, die tatsächlich nach Karotten schmecken. Verwende Zucchini, die du nicht erst googeln musst, um zu verstehen, wie man sie zubereitet. Und für dein Mikrobiom: Vergiss die Superfoods, die nur im Marketing glänzen. Probier lieber fermentierte Rote Bete, eingelegte Topinambur oder schlicht gekochten Grünkern. Das ist Futter, mit dem deine Darmbakterien wirklich arbeiten können.
Und dann: Pausen. Dein Darm muss nicht rund um die Uhr snacken, nur weil du Lust auf Nüsse, Chips oder „gesunde“ Riegel hast. Die viel gelobten fünf Mahlzeiten am Tag? Für viele Bäuche eine Tortur. Zwei bis drei echte Mahlzeiten, bei denen du dich satt isst und danach den Körper machen lässt – das ist Regeneration in Reinform.
Das Mikrobiom liebt rhythmische Verlässlichkeit. Fünfmal in der Woche dein selbstgebackenes Sauerteigbrot mit frischer Butter? Ja. Jeden Tag ein anderes Proteinpulver? Nein. Kichererbsen-Eintopf mit Fenchel? Ja. Fertigsoße aus der Plastikflasche? Nein.
Minimalistisch essen ist keine Askese. Es ist die Entscheidung, dein Verdauungssystem nicht wie einen Food-Trend-Showroom zu behandeln. Weniger Experimente, mehr Substanz. Du wirst überrascht sein: Wenn der Lärm auf dem Teller aufhört, beginnt der Darm, wirklich zu arbeiten – und zwar für dich, nicht gegen dich.